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Obiges Aquarell ist von Carl Ritter, aus Stadtarchiv Gmunden Handschrift 129, OÖLAndesarchiv
Der Stich ist aus „Georg Matthaeus Vischer Topographie von Oberösterreich, 1674“, Hrg. E. Straßmayr OÖLA, Vlg. Pirngruber, Linz, 1923

1. Einführung

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Geschichte Kloster Traunkirchen
Traunkirchen, Österreich

1000 Jahre Kloster Traunkirchen

Auch wenn das Gründungsjahr des Benediktinerinnen-Klosters 1020 n. Chr. umstritten ist, so ist es auf alle Fälle lohnenswert die 1000-jährige, im Besonderen die fast 600-jährige Geschichte und Bedeutung des ehemaligen Frauen-Konvents vor den Vorhang zu holen. Die Gründung als Kanonissen-Stiftung und Benediktinerinnenkloster, die Blütezeit des Nonnenklosters, die Machtstellung als Grundherrschaft und Mutterpfarre des inneren Salzkammergutes, das Ende eines weiblich geführten Konvents in der Reformationszeit, die Auflösung, weil protestantisch geworden, die Hochburg der Rekatholisierung unter den Jesuiten, weltlicher Salinen-Forstbesitz im 19. Jh., Flüchtlings- und Wohnstätte nach dem 2. Weltkrieg könnten als Wegbereiter der heutigen Kulturstätte Traunkirchens verstanden werden.

Ausstellungsidee
Elisabeth Rumpf, B.A. Dr.in, Reinhard Hofbauer, Mag.

Das heutige gedeihliche Miteinander religiösen und weltlichen Lebens in alten Klostergemäuern könnte versöhnlich gesehen, die Frucht von 1000 Jahren sein. Ein guter Grund zu gedenken und zu feiern. Die Ausstellung versucht, Leben in früherer klösterlicher Zeit in Beziehung zur geschichtlichen Zeit und Entwicklung darzustellen und somit verständlich zu machen.

Warum ein Kloster in Traunkirchen?

Bei Betrachtung der Lage des Ortes Traunkirchen erhebt sich die Frage, warum sich hier, am Rande der fruchtbaren Lössböden des Voralpenlandes, ohne große Weiten für Ackerbau und Viehzucht, an einer See-Enge am Eingang in ein karges, dichtbewaldetes, unwirtliches, klimatisch raues, dünn besiedeltes Gebiet der nördlichen Kalkalpen, versteckter Bergbaugebiete, nicht an einer großen römischen Handels- bzw. Verkehrsstraße liegend, ein Rückzugsgebiet seit wahrscheinlich Jahrtausenden, an einem zwar nachweislich seit der jüngeren Steinzeit besiedelten Ort, ein Benediktinerinnen-, ein von Frauen geleitetes Kloster, über Jahrhunderte behaupten und ein kulturelles und religiöses Zentrum entwickeln konnte?

Im Wandel der Zeit

„In seiner seelischen Substanz ist der Mensch seit Jahrtausenden unverändert geblieben. Er hat damals geliebt und gehasst, gefürchtet und gehofft, gelacht und getrauert, gelitten und genossen wie wir. Er war selbstsüchtig und feige, hingebungsvoll und tapfer, barmherzig und hart, träg, hinnehmend, dumm und zufrieden, oder tätig, suchend, unruhig und veränderungslustig wie die Menschen heutzutage. Die Menge ist Massensuggestionen erlegen wie jüngst, und immer haben einzelne selbständige Geister sich darüber erhoben. Aber doch ist ein gewisser Rhythmus erkennbar, in dem einmal das Beharrende und einmal die Bewegung stärker zum Ausdruck kommt. Und in dem, was in einer Zeit als gut und böse galt, in den Problemen, denen sie sich besonders zuwandte, im inhaltlichen Wandel der eine Zeit beherrschenden Ideen, in dem Wechsel der Betrachtungsweise durch neue technische Hilfsmittel und allmählich erst erarbeitete und verfeinerte Methoden der geistigen Arbeit zeigen sich doch so große Unterschiede, dass uns die Menschen ferner Zeiten oft wie fremde Wesen erscheinen. Um so schwieriger wird das Verständnis, wenn neben der alle Kreatur umfassenden Liebe eines Franz von Assisi die Scheiterhaufen der Inquisition lodern, neben einer tiefen Innigkeit der „Nachfolge Christi“ der „Hexenhammer“ entsteht… ( Zitat Erhard Dzimirsky „Das Spätmittelalter“ Geschichte Österreichs in Einzeldarstellungen, Styria steirische Verlagsanstalt, Graz, Wien, 1946)
Menschen waren, sind und werden es immer bleiben – Menschen mit all ihren Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten. Sie waren und sind geprägt von ihren Lebensumständen, den Ressourcen, sowie den sozialen Machtstrukturen ihrer Zeit. Ihr Denken, Fühlen und Handeln ist und wird immer auf das Elementare, auf das Überleben ausgerichtet sein. Es gab immer und wird immer Menschen geben, die für die Erklärung ihres Daseins und Vergehens an übernatürliche, an „göttliche“ Kräfte glauben und sich göttlicher Macht unterwerfen, und es wird auch immer Menschen geben, die die Begrenztheit ihres Lebens nicht an ein überirdisches „himmlisches“ Sein binden. Allen Menschen ist gemein, das Bedürfnis zu überleben, gut zu leben, zumindest so gut wie die anderen, sowie wirksam sein zu können, eine Sinnhaftigkeit und Bedeutung des eigenen Daseins zu manifestieren, um so der Unergründlichkeit des Kommens und Gehens, der Vergänglichkeit, der uns allen gemeinsamen Ohnmacht dem Tode gegenüber etwas entgegensetzen zu können. Klostergeschichte beschreibt eine Möglichkeit, das eigene Leben in religiöser Gemeinschaft den oben genannten Bedürfnissen entsprechend zu gestalten.

© E. Rumpf, R. Hofbauer