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Tabula Peutingeriana, Straßenkarte über das gesamte Römische Reich, Nationalbibliothek in Wien

4. Unter Römern, Awaren und Baiern

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Geschichte Kloster Traunkirchen
Traunkirchen, Österreich

Pax Romana

Die militärisch organisierte Verwaltung der Römer bescherte Ufernorikum fast 160 Jahre Frieden. Die norische Bevölkerung übernahm rasch die römische Lebensart und Kultur, besonders in den Städten. Ovilava (Wels) war nach Juvavum (Salzburg) der Sitz des Statthalters (Präses) mit seinem Beamtenapparat. Sicher auch für Traunkirchen und die im Umfeld liegenden Landgüter ausgedienter Legionäre von Bedeutung. Neue Städte wurden gegründet, Dörfer und Gehöfte waren durch Straßen und Saumwege erschlossen, der uralte Handel mit Italien, mit den Völkern im Norden konnte in dieser friedlichen Zeit ungestört fortgesetzt werden.

Wichtige römische Handelsverbindungen

Unter Kaiser Caracalla (211 – 217 n. Chr.) wurde die auch für Traunkirchen wichtige Strecke Juvavum über Tergolape (Schwanenstadt) nach Ovilava und von dort nach Celium (St.Pölten) ausgebaut. Eine Handelsverbindung von Wels über Aurachkirchen ins obere Salzkammergut ist, wenn auch nicht eingezeichnet, mit Sicherheit anzunehmen.

Die Römer verlassen das Land

Mit dem Niedergang des römischen Reiches Ende des 2. Jhs. n. Chr. zogen die an der Grenze zu Norikum lebenden „Barbaren“ immer wieder durchs Land und hinterließen eine Spur der Verwüstung: die Markomannen (170, 233, 299 und 319 n. Chr.), die Vandalen (401 n. Chr.), die Westgoten (410 n. Chr.), die Hunnen (433, 451 n. Chr.). Die römische Besatzung zog sich zurück. Rugier ließen sich in Norikum nieder. Der Heruler König Odoacker vertrieb die römische Bevölkerung nach Italien. Im Attersee- und Traunseegebiet dürften aber einige Romanen geblieben sein. Viele heutige Ortsnamen, endend auf „–walch/en“, bezeugen das Weiterbestehen romanischer Bevölkerung. Das nachfolgende ostgotische Reich mit König Theoderich ging unter. Dann kamen 555 die Langobarden. Und mit diesen die Awaren. Ein militärisch straff geführtes Reitervolk, ein Kriegerstamm, seit 569 n. Chr. im Aufschwung, hielt teils durch Schrecken, teils durch erzwungene Bündnispolitik andere Völker in Abhängigkeit. Mit Ihnen kamen auch die Slawen. Im Salzkammergut sind diese nur bis südlich von Bad Ischl nachzuweisen.

Baiern - Schutzschild gegen Awaren und Slawen

Die Bevölkerung war geschrumpft, und das Voralpen- und Ostalpenland, auch der Traunseeraum waren ziemlich siedlungsleer. Die Baiern, aus germanischen Volksgruppen zusammengewachsen, waren mit Erlaubnis Theoderichs längs der Donau vom Osten kommend eingewandert. Castra Regina (Regensburg) war ihre Hauptstadt und Herzogssitz. 531 n. Chr. kamen sie unter fränkische Oberhoheit. In zwei Jahrhunderten bauten die vom Frankenkönig beauftragten bairischen Herzöge, das Geschlecht der Agilolfinger, mit wehr- und tributpflichtigen Freien dieses nachrömische Gebiet wieder auf. Selbst lange Zeit selbst noch Heiden, missionierten sie die zum Teil wieder oder noch heidnische Bevölkerung. Freie stellten sich unter Schutz eines Mächtigeren, konnten oft durch die vielen Kriegszüge ihren Tribut nicht mehr leisten und verloren ihren Besitz. Der Landbesitz des Herzogs und der adeligen Familien nahm zu, und somit auch ihre Macht im Land. Landnahme und Lehenswesen blühten.

Information zur Abbildung:

Tabula Peutingeriana

Die Tabula Peutingeriana ist eine römische Landkarte mit den römischen Straßen über das gesamte Römische Reich. Sie wurde in Pergament im 12. Jhdt. erstellt, also erst im Mittelalter, als Kopie einer ursprünglich im 4. Jhdt. (ca. 375 n. Chr.) erstellten römischen Karte. Das Original befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und entstammt dem Besitztum von Prinz Eugen. Von einem damaligen Augsburger Besitzer, Herrn Peutinger, kam sie im Jahr 1715 in österreichischen Besitz.
Die Laufbahn 4 von 12 zeigt unter anderem unsere Region in Oberösterreich und die Provinz Noricum. Jede Laufbahn ist nur ca. 30 cm breit, aber ca. 9 m lang. Wir zeigen in der Ausstellung eine Fotokopie eines Ausschnitts, auf dem die Stadt Salzburg (Juvavum) und die Stadt Wels (Ovilava) samt der umliegenden Region dargestellt sind. Das Salzkammergut und die Seenlandschaft sind auf der Karte aber nicht enthalten. Auch nicht die röm. Straße, die vom Traunsee nach Attnang-Puchheim (zur Straße Ovilava – Juvavum) führte und auf der z. Bsp. Salz transportiert wurde. Es sind nur die römischen Hauptverbindungen angegeben. Die Karte ist nicht maßstabsgetreu, der obere Kartenrand entspricht nicht der Himmelsrichtung Norden, der untere Kartenrand ist nicht Süden. Entfernungen von einem Punkt zum nächsten sind als römische Meilen angegeben und, von der Länge her, nicht authentisch. Im Grunde ist sie eine antike Karte aus römischer Zeit, die im Mittelalter adaptiert wurde. Die Provinz Norikum ist darauf nur rudimentär abgebildet, sie gibt aber ein erstes geografisches Wissen über das römische Reich und die Provinz Norikum wieder.

© E. Rumpf, R. Hofbauer