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„Die Kirche und die einstige Jesuiten-Residenz, nun der Pfarrhof nebst Schule“ um 1850 von Carl Ritter, aus Stadtarchiv Gmunden, Handschrift 129, OÖLA
Literaturliste

20. Traunkirchen - ein Kulturzentrum

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Geschichte Kloster Traunkirchen
Traunkirchen, Österreich

Klostergut zerstreut

Das Kapital und die Güter des Klosters wurden nach einem Entscheid Maria Theresias und Josefs II vom 6.11.1773 an die Kameraladministration übergeben, von staatlicher Seite eingezogen. Am 15.9.1777 mit kaiserlicher Zustimmung übergaben die Kommissäre die Herrschaft Traunkirchen den Salinen. Das Gmundner Salzamt musste an den Studienfond der Jesuiten 280.000 Gulden in 4 % Wertpapieren bezahlen. Der Waldbesitz wurde herausgelöst und der kaiserlich-königlichen Forst- und Domänendirektion, den späteren Bundesforsten, in Gmunden unterstellt. Die Pfarre kam unter Patronat des Staates. Die 699 Untertanen wurden 1779 der Herrschaft Ort einverleibt. In Traunkirchen blieb ein Rentmeister und ein Gerichtsdiener. Das Brauhaus, das heutige Hotel „Das Traunsee“, und der Weinkeller blieben bis 1824 erhalten.
Das geistige Erbe, das Archiv der Nonnen, Administratoren und Jesuiten, kam nach Ort und wurde leider gegen den Willen Erzherzog Johanns 1869 verschleudert: wertvollere Handschriften gingen an die Hofbibliothek in Wien und sind leider größtenteils verschollen. In der  Studienbibliothek, deren Grundstock ein Teil der Klosterbibliothek darstellte, im Priesterseminar, im Diözesanarchiv in Linz sind noch Überreste des klösterlichen Archivs zu finden. Auch im Jesuitenkolleg in Passau und im Benediktinerstift Martinsberg in Ungarn könnte noch einiges aus dem Archiv ausgehoben werden.

Nach 550 Jahren Nonnenkloster und 150 Jahren Jesuiten-Residenz
Neues Leben in alten Gemäuern

Schulgebäude: das Salettl auf der Nordostseite des Klosterareals wurde um 1830 als „alte Schule“ (ehemalige Mädchenschule der Nonnen) bezeichnet. Die Sonntagsschule fand in Räumlichkeiten des Klosters statt. Bis 1773 bestand das Jesuiten-Gymnasium. Im zum Kloster gehörigen, gegenwärtigen „Spaunstöckl“ wurden um 1800 Schulmeister angeführt. In den Kellerräumen des Klosters wurde eine Lehrstätte für arme Kinder zum Erlernen der Wollweberei von 1800 bis 1840 betrieben. Im 18. und 19. Jh. wurden Klassenzimmer und Wohnräume dem Schulmeister im Kloster zur Verfügung gestellt. Bis zur Eröffnung einer Volksschule 1952 wurden Klosterräumlichkeiten für schulische Zwecke genutzt.
Amtsräume: für die Verwaltung der Salinen ab 1777, der staatlichen Forste, Gemeinde, Pfarre (Pfarrhof)
Wohnungen: nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Klostermauern wieder Schutz- und Zufluchtsort für Menschen in Not, für Flüchtlinge und Gemeindemitglieder wurde Wohnraum geschaffen.

Und jetzt

Kulturhaus der Gemeinde und Kirchenamt
Pfarramt: Traunkirchen wurde 1778 Pfarre und wurde der Herrschaft Ort, dann der Stadtpfarre Gmunden unterstellt. 1783 wurde Traunkirchen eine Pfarre der Diözese Linz. Pfarrer waren anfangs ehemalige Jesuiten. Die heutigen pfarrlichen Räumlichkeiten umfassen eine Kanzlei, Gemeinschaftsräume, den Klostersaal, einen Wohntrakt und  die kirchlichen Sakralbauten.
Kulturzentrum: 1849 wurden die Kommissariate aufgehoben, und Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden ins Leben gerufen. Am 01.08.1850 konstituierte sich der Gemeinderat Traunkirchen. Bis 1896 das Haus Traunkirchen Nr. 77 zur Gemeindekanzlei wurde, wurden die im Besitz der Gemeinde befindlichen Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters als Amtsräume genutzt. Jetzt werden diese für kulturelle Veranstaltungen und von der Gemeinde genützt. Folgende KulturträgerInnen befinden sich im alten Klostergebäude: die Internationale Akademie Traunkirchen, das Handarbeitsmuseum der Goldhaubenfrauen und Archekult, Initiative für Archäologie und Kultur.

Schlussbetrachtung

700 Jahre geistiges, religiöses und wirtschaftliches Zentrum, eine Kanonissenstiftung, ein Benediktinerinnenkloster, über 550 Jahre eine mächtige von Frauen geführte Grundherrschaft und Mutterpfarre des inneren Salzkammergutes, aufgelöst, weil protestantisch geworden; 150 Jahre Hochburg der Rekatholisierung unter den Jesuiten; im 19. u. 20. Jh. staatlicher Salinen- und Forstbesitz, Schule, Pfarre, Gemeinde und nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlingsherberge und Wohnstätte - heute ein gedeihliches Miteinander religiösen und weltlichen Lebens – Frucht von 1000 Jahren kulturellen, geistlichen und geistigen Lebens und Wirkens - eine Kulturstätte in alten Klostergemäuern. 

©  E. Rumpf, R. Hofbauer

Dank

Besonders bedanken möchte ich mich bei Mag. Reinhard Hofbauer, Unternehmensberater; Sandra Daxinger, XiBIT infoguide GmbH; Karl Heinz Ruber, Grafik brainpark; Maga Bettina Ellmauer, Tourismusverband Traunsee – Almtal für die gute Zusammenarbeit;

bei Sr. M. Maura Promberger, Archivarin Stift Nonnberg;  Dir. Ingrid Spitzbart, K-Hof-Museen Gmunden; Mag. Eckhard Höllwerth; Ing. Alois Siegesleitner, Pfarre Traunkirchen; Mag. Norbert Kriechbaum, OÖLAndesarchiv; MMag.P.Prior Maximilian Schiefermüller, Stift Admont; OSB Petrus Schuster, Bibliothekar Stift Kremsmünster; DDr.LLM,MAS,MA Peter Wiesflecker, Landesarchiv Stmk/Graz; Dr.MAS Hubert Schopf, Landesarchiv Salzburg; Amtsrat Wolfgang Fronhöfer, Archiv Bistum Passau; DDr. Helmut Wagner, Päd. Hochschule Linz; Mag. Heinz Schießer; Herbert Kefer, Heimat-u. Landlermuseum Goisern; Robert Zahler, Holzknechtmuseum Salzkammergut; D.I.Dr. Thomas Rumpf für die hilfreiche Unterstützung;

und Dank an meinen Großvater Dr. Eduard Strassmayr und an meinen Vater Dr. Alfred Marks für die geleisteten wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen zur Geschichte Oberösterreichs.

DrinB.A. Elisabeth Charlotte Rumpf, geborene Marks, studierte Psychologie, Pädagogik, Geschichte und  Archäologie in Salzburg, Michigan und Graz und war viele Jahre als Wirtschafts-, Arbeits-, und Organisationspsychologin tätig.