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Grab der Auferstehung

Das jüdische Volk in der Zeit der Wende

Expedition Bibel

Bibelwerk Linz
Linz, Österreich
Soziale Strukturen
Die verschiedenen Religionsparteien im Judentum
Gott weckt Hoffnung
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Audioguide: Das jüdische Volk in der Zeit der Wende

In den Epochen des Umbruchs haben Menschen immer wieder geahnt: „So kann es nicht weitergehen! Es muss sich etwas ändern.“ Nur wenige können aber sagen, wie dies zu erreichen ist. Führer und richtungsweisende Gruppierungen tauchen auf, die lautstark (oder leise) rufen: „Schaut her, so muss sie aussehen die neue, kommende Welt.“ Sie preisen Lebens- und Weltmodelle an – mitunter ganz gegensätzliche.

Jesus tritt in einer solchen Zeit der Wende auf. Was er wirkungsvoll tut und anschaulich erläutert, lässt seine Landsleute Heil erhoffen. Das Kommende bezeichnet er als ein „Königreich“. Er beschreibt es als ein Herrschaftssystem, wo die Maßstäbe Gottes bestimmend sein werden. Er kündigt an, dass es unmittelbar vor dem Durchbruch steht: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ (Mk 1, 15). Wie unterscheidet sich das Programm Jesu von damaligen Gruppierungen?

Lied 3
Soziale Strukturen

Das Volk lebte in erträglichen sozialen Verhältnissen. Der Ausfall einer familiären Arbeitskraft oder einer Ernte konnte aber den finanziellen Ruin bedeuten. Dann blieb das Leben als Tagelöhner oder die Selbstversklavung.

Die um’s Überleben Ringenden
Das Volk hört teils auf die eine Gruppierung, teils auf die andere – am ehesten auf die Pharisäer. Was helfen schon Parteiprogramme oder Lebensphilosophien, wenn man den Familienalltag, anstrengende Arbeit, die wirtschaftliche Not und unerwartete Krankheits- und Todesfälle bewältigen muss? Die Kleinbauern bilden den Kern des Volkes, die mit einer Familie von 6 - 9 Personen (vom Kind bis zur Großmutter) ein 8-10 ha großes Landstück bewirtschaften. Das Haus einer Großfamilie gruppiert sich um einen Innenhof, wo die Frauen Getreide mahlen, Brot backen und sich die Kinder, sowie die Ziegen und Hühner tummeln. Die Ausgrabungen in Kafarnaum, so Simon und Andreas ihre Fischerei betrieben, zeigen ein solches Bild. Den Menschen der Unterschicht ist gemeinsam, dass sie nichts als ihre Arbeitskraft besitzen. Tagelöhner müssen sich jeden Morgen von Neuem auf dem Markt anbieten.

Oberschicht: Großgrundbesitzer, Großhändler, Steuerpächter;
Mittelschicht: Handwerker, Kleinhändler, Kleinbauern, Fischer; Existenzminimum: 200 Denare
Unterschicht: Pächter, Tagelöhner, Arbeitslose, Sklaven, Bettler, Kranke;

Die verschiedenen Religionsparteien im Judentum

Die Pharisäer - Die Weisungen Gottes beobachten
Die Pharisäer vermeiden eine Berührung mit der sündigen Umwelt, von daher kommt auch ihr Name: „die Abgesonderten“. Sie sind eine im Volk weit verbreitete Laienbewegung.
Politische Ziele stehen ihnen nicht vor Augen, sondern sie sind darauf aus, dass alle Juden gewissenhaft die göttlichen Gebote einhalten. Wer zu ihrer Gemeinschaft gehört, verpflichtet sich, von allen Erträgen den zehnten teil an den Tempel abzuliefern und vor Gott rein zu sein. Sie waschen sich daher vor jeder Mahlzeit, um die Hände rein zum Gebet zu erheben und so das Mahl miteinander zu halten.

Die Sadduzäer – Versöhnung durch Opfer und Tempelkult
Die Sadduzäer stellen das Amt des Hohenpriesters, die Oberpriester und Tempelhierarchie. Sie bestimmen den Ablauf der gottesdienstlichen Handlungen im Tempel und verwalten als priesterliches Geschlecht den unermesslichen Tempelschatz. Als alteingesessene Geschlechter wirken sie im politischen Geschehen mit und führen ein wirtschaftlich wohlhabendes Leben. Dass die Verstorbenen zu neuem Leben erweckt werden, glauben sie nicht. Auf die Einhaltung des Sabbets sind sie peinlich genau bedacht. Im Prozess gegen Jesus spielen sie eine wichtige Rolle. Diese aristokratische Schicht geht mit der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. unter.

Die Essener – Rückzug auf das Reine
Die Essener sehen die Ursache für die schlimmen Zustände im Land nicht im politischen System, sondern in den geistigen Zusammenhängen. Sie verurteilen den religiösen Betrieb im Tempel von Jerusalem. Was die religiös Verantwortlichen tun, ist weit entfernt vom wahren Glauben. Abseits der „schmutzigen Welt“ bilden die Essener eine vorbildliche Gemeinschaft. Sie ziehen sich in die Wüste zurück und lassen sich auf viele weltliche Gepflogenheiten, wie das Zurechtbiegen der Gottesgebote, den privaten Besitz, die Ehe, gewaltsames Vorgehen gegen Angehörige des eigenen Volkes, Sklavenarbeit, eigensinniges verhalten nicht ein. Das Zentrum ihrer Gemeinschaft ist Qumran unweit des Toten Meeres. (Es wird seit 1952 ausgegraben.) Wer eintreten will, muss seinen Besitz verkaufen, den Erlös an die Gemeinschaft abgeben und sich zu strengem Gehorsam verpflichten. Die Mitglieder verstehen sich als „Söhne des Lichts“ und warten auf den Tag Gottes, an dem er sein Königreich aufrichten wird. Zuvor müssen die „Söhne der Finsternis“ vernichtet werden. Manche Mitglieder leben in den Dörfern Palästinas verteilt. Auch dort schließen sie sich zu festen Gemeinschaften zusammen und verpflichten sich, in geschlechtlicher Enthaltsamkeit zu leben. Hintergrund dafür ist, dass sie alles Leibliche abwerten und meinen, die Seele wird aus diesem Gefängnis beim Tod befreit und sich zum Himmel aufschwingen. In den Evangelien werden die Essener nie ausdrücklich erwähnt.

Die Zeloten – Gott allein ist Herr
Die Zeloten sind eine nationale Partei, deren Name soviel bedeutet wie „Eiferer“, kämpferische Veränderer, ehrgeizige Umstürzler. Sie schüren Feindschaft gegen die Weltmacht Rom. Nach Josephus Flavius, einem Geschichtsschreiber am Ende des 1. Jhs, betonen sie, dass „sie mit großer Zähigkeit an der Freiheit hängen und Gott allein als ihren Herrn anerkennen.“
Da sie gegen die militärische Macht von Rom nicht im offenen Kampf antreten können, versuchen sie durch Überfälle und Terroranschläge das politische System zu destabilisieren. Die extremen Splittergruppen heißen Sikarier, was so viel bedeutet wie „Dolchmänner“. Ihr Motto ist: „Sobald du hinter einem Römer zu stehen kommst, stoße diesem Feind den Dolch in den Rücken!“
Es gibt Männer, die sich in dieser Partei ausbilden lassen, aber dann zur Entfeindungsbotschaft von Jesus wechseln. Das beweist der Name „Simon der Zelot“ in der Liste der zwölf engsten Mitarbeiter um Jesus (vgl. Lk 6, 15).
In den folgenden Jahrzehnten (40 - 65 n. Chr.) wächst die Anhängerschaft der Zeloten bei der Bevölkerung. Sie reißen das ganze Land in eine militärische Katastrophe. Der jüdische Krieg (66 - 73 n. Chr.) geht zu ihren Lasten; er ist einer der grausamsten im römischen Reich. Er fordert 110.000 Tote durch Hunger und Schwert und führt zur völligen Zerstörung des bedeutungsvollsten Heiligtums, des Tempels in Jerusalem.

Hörtext 5
Hörtext 6
Gott weckt Hoffnung

Auferstehen – Vom Tod zum Leben
Wenn Jesus seine Heilsbotschaft erklärt, redet er vom Reich der Himmel (Königreich Gottes). Das ist seine „Gute Nachricht“, sein Evangelium. Für die frühen Christen hingegen gilt die Person Jesus selbst als „Frohe Botschaft“, sein gelungenes Leben, das trotz eines grausamen Todes von Gott bestätigt wurde. Lukas lässt deshalb Petrus in der Pfingstrede sagen: „Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, … habt ihr durch die Hand der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.“ (Apg 2, 22-24)

Dieses Bekenntnis zum ermordeten Jesus, den Gott dennoch aus dem Tod geholt hat, erklärt die junge Jesusbewegung zu ihrem Evangelium und fasst dies in eine Kurzformel zusammen: „Gott hat den Herrn auferweckt, er wird durch seine Macht auch uns auferwecken.“ (1 Kor 6, 14)
Diese Formel ist vor allem in den Paulusbriefen an vielen Stellen wiederzufinden. So eröffnet Paulus seinen Brief an die Christengemeinde in Rom mit den Worten: „Paulus, … auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen, … das Evangelium von seinem Sohn …“ (Röm 1, 1-3).
Die Gemeindemitglieder leben inmitten der römischen, konsumorientierten Welt, wo man an die Genüsse des irdischen Lebens denkt, weil danach sowieso alles aus ist. Dieser Gesellschaft, die zwar materiell abgesichert ist, aber ohne Sinnerfüllung dahin lebt, verweigern sich die frühen Christen. Sie tun nicht mit. Sie sind der übersättigten, ichsüchtigen Welt gestorben. So kann Paulus schreiben: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod: und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6, 4)
Paulus kämpft damit gegen eine allgegenwärtige Grundangst und Aussichtslosigkeit der damaligen Menschen an, gegen die Angst vor dem Nichts. Er will sagen: Auch wenn für viele das größte Unheil der Tod ist, haben wir die Heilsbotschaft vom Leben angenommen. „Stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind.“ (Röm 6, 13b)
Er bringt es auf die Spitze, wenn er behauptet: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: ‚Jesus ist der Herr‘ und in deinem Herzen glaubst: ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt‘, so wirst du gerettet werden. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen.“ (Röm 10, 9-10)

Das schreibt er zu einer Zeit (um das Jahr 56 n. Chr.), in welcher die Leute gewohnt sind, den jeweiligen Kaiser als „Herrn“ zu bekennen und viele in ihrem Innersten nichts haben, das ihnen Halt gibt, die „im Herzen glauben“, dass am Ende der Tod steht.

Das Mahl
Zu Lebzeiten bricht Jesus unzählige Male in den Häuser, wo er zu Gast ist, wie der Hausvater das Brot und teilt aus – so oft, dass es ihm den Ruf vom „Fresser und Säufer“ (Lk 7, 34) einträgt. Auch bei vielen Besuchern sorft er dafür, dass die Lehrvorträge mit einem stimmungsvollen Essen abgeschlossen werden. In seinen anschaulichen Geschichten vergleicht er das Königreich Gottes mit einem festlichen Mahl. Miteinander Essen vermittelt Heil. Die frühen Christen setzen dies fort und sind überzeugt, dass sie ihrem Herrn dabei in. Ihrer Mitte haben. Sie halten die Erinnerung an ihn lebendig und befolgen seinen Auftrag: „er brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch, tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11, 24)
Das Mahl ist Inbegriff ihrer Gewissheit, dass er sie begleiten wird: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)
Das Gemälde von Sieger Köder – einem der bekanntesten zeitgenössischen religiösen Maler aus Deutschland – zeigt, wie Menschen aus allen Rassen am Tisch vereint sind. Sogar die Speisen kommen aus allen Kontinenten: Neben Brot liegt Reis. Auch wenn Christus nicht leibhaftig dabei sitzt, so ist es doch seine Geste, die sie zusammenführt.

Aufbrechen
Paulus wendet sich mit aller Schärfte gegen die Ansicht, man brauche nur Christ zu sein, und habe dann das Heil unverlierbar; man brauche nichts weiter zu tun. „Stellt eure Gleider nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und stellt eure Gleider als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes. Die Sünde soll nicht über euch herrschen.“ (Röm 6, 13-14a)
Auch wenn Paulus in seinen Briefen die Angesprochenen immer nur als Brüder bezeichnet (was der damaligen Gepflogenheit entspricht), nicht auch als Schwestern, geht aus den Schlussgründen doch hervor, dass er den verlässlichen Einsatz und Pioniergeist vieler Frauen in den Gemeinden hoch schätzt. Verse aus Röm 16 sind dafür ein gutes Beispiel.

Den frühen Christen in Rom schrieb Paulus:
„Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, sie ist der Diakon der Gemeinde von Kenchreä: Nehmt sie im Namen des Herrn auf, wie es Heilige tun sollen, und steht ihr in jeder Sache bei, in der sie euch braucht; sie selbst ist vielen, darunter auch mir, vorgestanden.“ (Röm 16, 1-2)
Hier findet sich der älteste neutestamentliche Beleg für das Amt des Diakons (maskuline Form im griechischen Urtext) für eine Frau!

„Grüst Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mich ihr eigenes Leben auf’s Spiel gesetzt haben; nicht allein ich, sondern alle Gemeinden der Heiden sind ihnen dankbar. Grüßt auch die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt.“ (Röm 16, 3-5a)
Bei diesem Ehepaar nennt Paulus zuerst die Frau. Unter Mitarbeiter versteht er jemanden, der mit ihm zusammen führend an der Gründung von Hausgemeinschaften tätig ist und maßgeblich in der Verkündigung mitwirkt. Diese Frau ist mit ihrem Mann also nicht nur in ihrem Heimatort tätig, sondern auch in anderen Städten. Ihr geräumiges Privathaus in Rom stellt sie als Treffpunkt für eine der Christengruppen zur Verfügung und scheint die Gemeinde zu leiten.

 „Grüßt Maria, die für euch viel Mühe auf sich genommen hat.“ (Röm 16, 6)
Damit meint Paulus die mühevolle Schwerarbeit, die Missionare zwangsläufig auf sich nehmen.

„Grüßt Tryphäna und Tryphosa, die für den Herrn viel Mühe auf sich nehmen. Grüßt die liebe Persis; sie hat für den Herrn große Mühe auf sich genommen. Grüßt Rufus, der vom Herrn auserwählt ist; grüßt seine Mutter, die auch mir zur Mutter geworden ist.“ (Röm 16, 12-13)

„Grüßt Andronikus und Junia(s), die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie sind angesehene Apostel und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ (Röm 16, 7)
Hier nennt Paulus eine Frau ausdrücklich „Apostel“. Offenbar hat sich ihr der auferstandene Christus gezeigt; das legitimiert sie. Und sie ist mit ihrem Mann wandernde Missionarin, besitzfrei unterwegs noch vor Paulus. Wenn in der Einheitsübersetzung hier die männliche Form „Junias“ steht, dann handelt es sich dabei aus heutiger Sicht ausdrücklich um einen Fehler, denn der männliche Name Junias ist in der damaligen Welt völlig unbekannt.

Dieser Briefabschnitt entwirft ein Bild davon, dass Frauen in den frühen Christengemeinden beispielgebend sind in missionarischem Einsatz und Verantwortung – ein Bild aus der Zeit etwa 20 Jahre nach dem Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu. Dies ändert sich aber in den folgenden Jahrzehnten. Spätere Briefe zeugen davon, dass Frauen wieder zurückgewiesen werden in ihre traditionellen Rollen, wozu auch die Unterordnung unter den Mann gehört. Ende des 1. Jhs. Beginnen die kirchlichen Ämter schon feste Formen anzunehmen, was das Zurückdrängen des Pioniergeistes bedeutet. So ist im 1. Timotheusbrief  über den Gottesdienst in der Gemeinde zu lesen: „Ich will: Das Gebet sollen überall die Männer sprechen und dabei die Hände erheben …
Die Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen …
Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, … sie wird dadurch gerettet werden, dass sie Kinder zur Welt bringt ---“ (1 Tim 2, 8; 11-12; 15).

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